Was Terroristinnen und Terroristen wollen

Von Philipp Fritz, 01. Januar 2020

Schlagzeilen über unterschiedlichste Gewalttaten und tatsächliche Terrorakte gehören für uns inzwischen zum traurigen Alltag und zum„Grundrauschen“ in der Medienlandschaft. Obwohl einzelnen dieser Meldungen besondere Beachtung zukommt und emotionalen Nachklang finden, so hat doch ein Prozess der Gewöhnung –wohlwollend als eine Art gesellschaftlicher Resilienz betrachtet –eingesetzt. Jüngste Fälle wie auf der London Bridge der britischen Hauptstadt letzten Jahres, in Halle am jüdischen Feiertag Jom Kippur, der rechtsextremistische Mord am Kassler Regierungspräsident Walter Lübcke oder die islamistisch motivierten Anschläge im französischen Straßburg sowie auf die Polizeipräfektur von Paris bilden dabei nur einen Bruchteil von Gewalttaten in Europa ab, welche in der Berichterstattung mit den Begriffen„Terror“ oder „Terrorismus“ übertitelt werden.

Bereits die steigende Zahl an Nachrichten dieser Art, die bewusste populistische Verwertung und die von Übereilung getriebene Berichterstattung, die immer wieder zulasten journalistischer Sorgfalt geht, lassenden Begriff„Terrorismus“verschwimmen und ziehen eine fehlende Abgrenzung nach sich. Zwar wurde die öffentliche Auseinandersetzung darüber was Terrorismus eigentlich sei, und was eben nicht, bereits vielfach geführt, das eigentliche Phänomen des Terrors und seiner Formen ist jedoch im Dunklen geblieben. Gleichzeitig tragen die Verhärtung innergesellschaftlicher Brüche, gezielter Populismus und staatliche Überreaktionen dazu bei, Terrorismus nicht klar von anderen Formen der Gewalt unterscheiden zu können.

Mit Blick auf terroristische Einzel-taten aus dem jihadistischen und dem militanten rechts- und linksextremistischen Umfeld zeigt sich, dass durch eine vage und fahrlässige Begriffsnutzung tatsächliche Terrorakte durch die Breite der Gesellschaft nicht mehr klar eingeordnet werden können und ein Gefühl von Überforderung bis hin zur Ohnmacht zurücklassen. Eine ungenaue und voreilige Zuordnung in die „Terror“-Kategorie trägt im schlimmsten Fall dazu bei, Bedrohungsszenarien und Ängste aufzubauen, die ursprünglich keine Täterintention gewesen sind. Damit wird letztendlich Terror verbreitet, welcher ohne eine entsprechende Titulierung keinen Weg in die Gesellschaft gefunden hätte. Es gibt eine Vielzahl von „Terrorismus“-Definitionen im öffentlichen Diskurs. Gleichzeitig wird der Begriff zu-nehmend inflationär und ohne Schärfe verwendet. Dieses Informationspapier gibt anhand der analytischen Merkmale eine praktische Begriffserklärung.

Es ist daher von größter Bedeutung, dass Terroranschläge, im Gegensatz zu Gewaltakten ohne entsprechende ideologische oder politische Zielsetzung, differenziert werden. In diesem Zuge kann die Faustregel herangezogen werden: kein Terrorismus ohne ideologischen Überbau. Daraus ergibt sich die vereinfachte Prüffrage nach einem entsprechenden Weltbild und einem praktischen Willen zur gesellschaftlichen oder politischen Veränderung bestehender Verhältnisse aufseiten der Täterin oder des Täters. Der Ideologisierung, beispielsweise auf Basis von religiösen, politischen oder rassistischen Überzeugungen, kommt damit eine entscheidende Rolle zu. Es sind dabei insbesondere Religionen in der Rolle von „politischen Waffen“, die sich in besonderem Maße zur Massenmobilisierung, zur religiösen Inszenierung von Feindbildern und göttlichen Legitimierung eignen.

Eine öffentliche Debatte über das Erstarken religiös legitimierter Gewalt in Verbindung mit globalem Terrorismus und insbesondere des Jihadismus, haben spätestens mit den Anschlägen am 11. September 2001 auf das World-Trade-Center in New York und auf das US-Verteidigungsministerium eingesetzt. Die Vielzahl weiterer Anschläge in den letzten zwei Jahrzehnten hat diese Debatte auch in Europa zusätzlich verschärft. Die Anschläge haben die Globalisierung endgültig entzaubert und mit ihrem Grad an Professionalisierung und ihrem Ausmaß die Erkenntnis um neue sicherheitspolitische Herausforderung mit sich gebracht. Nicht ohne Grund nannte der ehemalige deutsche Außenminister und heutiger Bundespräsident, Dr. Frank-Walter Steinmeier, bei der 42. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik 2006 neben der Proliferation von Massen-Vernichtungswaffen den global agierenden Terrorismus die „ernsteste Bedrohung unserer Sicherheit“

1. Terrorismus ist aber keinesfalls eine Erscheinung, die erst mit den Anschlägen auf das World-Trade-Center aufkam. Bereits in der Frühgeschichte gab es organisierte Terrorgruppen wie die jüdischen Zeloten, die bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. gegen die römische Oberherrschaft operierten und nicht davor zurückschreckten auch die Bevölkerung mit Gewalt zu beeinflussen. Ihnen standen die Sikarier nahe, die im gleichen Zeitraum hauptsächlich mittels öffentlicher Attentate aus dem Schutze großer Volksmengen heraus agierten. Ein bekannteres Beispiel für die Nutzung der Strategie ….

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